Digitale Trends 2020 für die Industrie

Von Business Modelling bis Self-Service-Portal: Diese Digitaltrends sollten Sie nicht verpassen

Trends Industrie 2020

Die Industrie gilt im Hinblick auf digitale Neuerungen als etwas schwerfällig. Dabei verbirgt sich gerade bei diesen Unternehmen grosses Potenzial - das zeigen auch die Trends für 2020. Ich habe hier meine vier Highlights für das neue Jahr ausgewählt. Dazu gibt es Tipps und Beispiele aus der Praxis.

Digitaler Industrie-Trend 1: Self-Service-Portale

Für Unternehmen im B2C-Bereich sind umfangreiche Kundenportale schon seit einigen Jahren Normalität. Nun zieht auch die Industrie nach. Ich sehe derzeit viele Unternehmen in diesen Bereich investieren. Das hat vor allem zwei betriebswirtschaftliche Gründe:

  • Unternehmen senken ihre Kosten. Digitale Prozesse sparen nach der Erstinvestition einiges an Personalkosten ein.
  • Self-Service-Portale generieren neuen Umsatz. Zum einen sind die Portale im Gegensatz zu menschlichen Mitarbeitern rund um die Uhr verfügbar. Zum anderen fungieren die Portale als Single Point of Contact, die dem jeweiligen Unternehmen gezieltere Vertriebs- und Marketingmassnahmen ermöglichen. Auch neue Dienste können in das Portal integriert werden.

Mein Praxistipp für Self-Service-Portale

Besonders wichtig ist bei diesem digitalen Trend, vorab ein detailliertes technisches Konzept zu erstellen, welches die benötigten Schnittstellen und Systeme berücksichtigt. Nur so kann sichergestellt werden, dass neue, funktionale und nicht-funktionale Anforderungen von den neuen Lösungen in Kombination mit den oft komplexen Bestands-Architekturen abgebildet werden.

Mein Beispiel aus dem Namics-Alltag.

Für den Werkstoff-Hersteller Covestro haben wir letztes Jahr eine personalisiertes Portal erstellt: das Covestro Solution Center. Jeder Kunde findet dort die passende Information. Die Produktseiten sind exakt auf das Wissen und die speziellen Bedürfnisse der verschiedenen Usergruppen zugeschnitten. Einladungen zu Fachveranstaltungen basieren ebenfalls auf den jeweiligen Präferenzen.

Anhand von Kundeninterviews hat Namics sechs Personas und ihre individuellen Customer Journeys identifiziert.
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Digitaler Industrie-Trend 2: Business Innovation & Business Modelling

Bislang haben sich Industrie-Unternehmen bei Ihrer strategischen Weiterentwicklung vor allem auf zwei Bereiche konzentriert:

  • Optimierung der Customer Journey des Kerngeschäfts
  • Höherer Reifegrad bestehender Prozesse und Produkte

Eine dritte Variante ist Business Innovation & Business Modelling. Hier geht es darum, neue Geschäftsbereiche zu schaffen, die nicht zwangsläufig nah am bisherigen Kerngeschäft des Unternehmens liegen. 

Gerade ist es besonders angesagt, die Leistung eigener Produkte als Service (XaaS) anzubieten – zum Beispiel Fahrzeuge als Sharing-Modell zu vermarkten. Grundlage dafür liefern neue technische Möglichkeiten, wie das Internet of Things oder Data Analytics.

AMAG
Quelle: AMAG Clyde Website

Mein Namics-Beispiel zu Business Modelling.

Namics hat die Unternehmensgruppe AMAG, einer der grössten Mobilitätsanbieter in der Schweiz, bei derRealisierung des neuen Abo-Modells Clyde begleitet: Gemeinsam mit AMAG entwickelten unsere Experten eine Online-Plattform, die den User in den Fokus stellt und gleichzeitig dem speziellen Vertriebssystem gerecht wird. Dafür kommen verschiedene Tools und Technologien zum Einsatz. Die Salesforce Sales & Service Cloud dient als Grundlage des CRMs. Als Abo-Engine wird Zuora genutzt.

Drei Praxis-Tipps für Business Modelling

  1. Achten Sie auf Interdisziplinarität. Starre Strukturen und tief etablierte Prozesse und Disziplinen-Container sind der Feind jeder Innovation. Daher gilt: Befreien Sie sich aus den Silos (und ja: dazu gehören auch gedankliche). Am besten setzen Sie ein Team mit Stakeholdern unterschiedlicher Bereiche zusammen - zum Beispiel aus Entwicklung, Marketing und Technologie. So entstehen kreative Ideen und Sie sind gleichzeitig über die Grenzen der jeweiligen Bereiche informiert.
  2. Seien Sie pragmatisch und konkret. Natürlich ehrt es Sie, wenn Sie gleich die umfassende Lösung für Alles möchten. Zielführend ist das allerdings nicht. Bearbeiten Sie daher mit Ihrem Team lieber eine klar umrissene, bewältigbare Aufgabe. Setzen Sie zudem auf einfache Lösungen statt das Rad neu zu erfinden. Ein erstes Ergebnis können Sie später jederzeit noch erweitern.
  3. Behalten Sie den Markt im Blick. Gerade in der Konzeptphasebesteht die Gefahr, den Markteintritt aus den Augen zu verlieren. Beim Go-live erproben Sie mit einem MVP frühzeitig, ob und wie Ihre Innovation zum Markt passt. Die Erkenntnisse daraus sind wertvoll für die Mehrwert stiftende Weiterentwicklung Ihres Produkts oder Services.

Digitaler Industrie-Trend 3: Service-orientierte Architektur und Micro-Services

Eine für Alles: Das galt früher als Leitlinie für Software-Lösungen. Inzwischen hat sich das Paradigma gewandelt. Das allumfassende, wartungsintensive System hat ausgedient. Stattdessen setzen Software Engineers auf fragmentierte Lösungen nach dem Baukasten-System. 

Konkret sieht das dann beispielsweise so aus: Ein Unternehmen stellt sich individuell kombinierbare Module für ein Kundenportal zusammen. Es wählt den Micro-Service eines australischen Anbieters für die Syntaxprüfung von Mail-Adressen. Ein Micro-Service einer deutschen Agentur dient dem Versand.  Ein weiteres Modul eines dritten Anbieters verschlüsselt die Daten. Für das CMS eines unserer Kunden kamen so locker an die 200 Micro-Services zum Einsatzes. 

All diese Bausteine funktionieren unabhängig voneinander. Sie lassen sich problemlos austauschen, ohne die Funktionalität des gesamten Systems zu beeinträchtigen. Ein klarer Vorteil im Vergleich zu den vorherigen, schwerfälligen Systemen.

Obwohl sich diese Entwicklung schon seit geraumer Zeit vollzieht, setzen sich Micro-Services und service-orientierte Architektur erst jetzt auf Unternehmensseite durch.

Drei Praxis-Tipps für Micro-Services & SOA

  1. Nehmen Sie sich Zeit. Investieren Sie zeitlich  vor allem in die Konzeptionsphase. Das lohnt sich in jedem Fall. Ein unausgegorenes Konzept macht sich früher oder später teuer bemerkbar.
  2. Denken Sie ganzheitlich. Ziehen Sie von Anfang an, alle beteiligten Fachbereiche mit ein. So können Sie Abhängigkeiten frühzeitig erkennen. Das gekonnte Zusammenspiel der verschiedenen Ebenen ist nämlich ein zentraler Erfolgsfaktor. 
  3. Berücksichtigen Sie Ihre Branche. Je nach Industriesektor muss das System anderen Anforderungen genügen. Davon hängen auch die benötigten Micro-Services ab.

Digitaler Industrie-Trend 4: Clouds

Je aufwändiger eine Online-Anwendung, desto höher die technologischen Anforderungen. Die unternehmenseigene Infrastruktur reicht dafür heute meist nicht mehr aus. Cloud-Dienste liefern hier eine günstige und performante Lösung.

In den letzten Jahren hatten Kunden und Unternehmen häufig noch Bedenken hinsichtlich der Sicherheit. Inzwischen setzt aber sogar die stark regulierte Finanzbranche auf die Technologie. Das spricht für die Seriosität der Anbieter.

Industrie-Unternehmen, die Cloud-basierte Dienste nutzen möchten, brauchen entsprechende Experten. Denn die reine Migration alter Systeme auf Cloud-Technologie funktioniert schlecht und bringt zumindest keine Vorteile für Ihr Unternehmen. Daher richten Sie neue Konzepte am besten konsequent auf die Cloud aus.